Im Wandel auf Kurs bleiben

Es gibt Jahre, die einfach so vorüberziehen, und solche, die uns dauerhaft in Erinnerung bleiben. 2025 fällt definitiv in die zweite Kategorie: Nicht, weil es besonders spektakulär war, sondern weil es uns viel abverlangt hat – nicht nur im konkreten Handeln, sondern auch in der Reflexion.

Als Direktor sehe ich meine Aufgabe nicht darin, nur den Status quo zu bewahren. Vielmehr geht es darum, sicherzustellen, dass unsere Stiftung auch in Zukunft ihren Auftrag erfüllt, indem wir künftige Entwicklungen antizipieren, Altbekanntes in Frage stellen und notwendige Anpassungen vornehmen. 2025 war ein Jahr, in dem wir uns bewusst Zeit genommen haben, darüber nachzudenken, wie die Beratungszentren von morgen aussehen könnten. Unsere Überlegungen sind längst nicht abgeschlossen – dies ist auch nicht nötig. Viel wichtiger ist, dass wir dauerhaft eine reflektierende Haltung einnehmen und es als einen kontinuierlichen, dynamischen Prozess begreifen statt als punktuellen Eingriff. Bedürfnisse verändern sich, die Bandbreite suchtbetroffener Menschen wird immer grösser und nicht zuletzt gewinnen wir neue Erkenntnisse hinzu: Damit wir nicht an Relevanz verlieren, ist es daher unabdingbar, weiterhin wachsam und anpassungsfähig zu bleiben.

Vor diesem Hintergrund war die Integration des Recovery-Modells ein wichtiger Schritt, der neben Schulungen auch ein gewisses Umdenken erforderte. Demnächst werden wir einen Genesungsbegleiter mit eigener Suchterfahrung einstellen. Dies ist nicht als symbolischer Akt zu verstehen. Vielmehr erkennen wir damit die einzigartige Expertise ehemals selbst Suchterkrankter an: Eine Bereicherung für unser Team, die dazu beitragen kann, die Beziehung zu den von uns betreuten Menschen entscheidend zu verändern. Dies ist das letzte Puzzleteil, durch das der Prozess seine volle Sinnhaftigkeit entfaltet.

Im stationären Sektor war 2025 der Umzug vom Zentrum François-Xavier Bagnoud in die Villa Flora die grösste Veränderung. Ich habe den Tag des Umzugs selbst miterlebt: Auf der einen Seite war die Vorfreude auf neue, besser geeignete Räumlichkeiten mit mehr Komfort deutlich zu spüren. Auf der anderen Seite war da aber auch Wehmut angesichts des Abschieds von einem Ort, an dem Geschichte geschrieben wurde und der in der Vergangenheit wichtig war. Beide Gefühle standen an diesem Tag nebeneinander und hatten gleichermassen ihre Berechtigung. Das Team schaffte es, diese Zerrissenheit zusammenzubringen. Der Umzug markierte das Ende einer Ära, aber gleichzeitig auch einen Neuanfang.

Nicht unerwähnt lassen möchte ich unser stationäres Zentrum via Gampel: Nach dem Bergsturz von Blatten musste es im vergangenen Jahr während mehrerer Wochen evakuiert werden. Eine Ausnahmesituation, für die man kaum vorbereitet sein kann und die jeden Einzelnen und das Kollektiv auf eine harte Probe stellte. Das Personal, aber auch die Bewohnerinnen und Bewohner bewiesen angesichts der widrigen Umstände ein hohes Mass an Resilienz.

Neben diesen besonderen Vorkommnissen konnten wir die Stiftungstätigkeit auch in diesem Jahr in einem beachtlichen Tempo fortführen, um die Qualität und Kontinuität unserer Arbeit zu gewährleisten. Das Tageszentrum ist in neue Räumlichkeiten umgezogen und zeigte sich dabei äusserst flexibel und anpassungsfähig. Die STUZ wächst beständig weiter. Die Entwicklung dieser beiden Bereiche spricht Bände über die Gesundheit unserer Stiftung.

Ich danke unseren Partnern für die hervorragende Zusammenarbeit und allen Mitarbeitenden von Sucht Wallis: Ihr unermüdlicher Einsatz ist die tragende Säule unserer Stiftung. Nicht zuletzt möchte ich dem Stiftungsrat danken – für sein Vertrauen und seine Unterstützung bei allen wichtigen Entscheidungen.

Zielstrebigkeit, Bescheidenheit und die Bereitschaft zum Wandel werden uns, wie im vergangenen Jahr, auch 2026 weiter voranbringen.

Thomas Urben
Direktor

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