- 2025
- 2025 in Kürze
Taten statt Worte für suchtbetroffene Menschen
Ein Geschäftsbericht ist wie ein Spiegel – statt Absichten oder Ziele zu formulieren zeigt er auf, was wir im vergangenen Jahr konkret für Menschen erreicht haben, die in einer oft verzweifelten Situation an unsere Tür klopfen. In dieser Hinsicht markiert das Jahr 2025 einen weiteren Meilenstein, auf den Sucht Wallis stolz sein kann.
Allem voran ist der Umbau der Villa Flora zu nennen, der weit mehr bedeutet als einen Standortwechsel mit neuer Raumaufteilung und modernisierter Infrastruktur: Er setzt ein klares Zeichen für Menschlichkeit, Respekt und Würde. Indem wir Suchtbetroffenen einen Rahmen bieten, in dem sie sich sicher und willkommen fühlen, helfen wir ihnen, nach einer oft langen, turbulenten Zeit zur Ruhe zu kommen und den Blick erstmals wieder nach vorne zu richten. Ein Ort, an dem sie neue Kraft schöpfen und aus der Perspektivlosigkeit ausbrechen können. Der Umbau war keine ästhetische, sondern in erster Linie eine ethische Entscheidung. Dahinter steht die Überzeugung, dass suchtbetroffene Menschen nicht nur eine qualitativ hochstehende professionelle Betreuung verdienen, sondern auch eine Umgebung, die Wertschätzung und Vertrauen vermittelt. In einem noch immer stark vorurteilsbehafteten Bereich leisten wir durch die liebevolle Gestaltung eines Lebensraums für Menschen mit Suchterkrankung einen konkreten Beitrag zur Bekämpfung von Stigmatisierung und setzen ein Zeichen für ihre Wertschätzung.
Auf institutioneller Ebene stellt die Aufnahme der kantonalen Suchtstrategie in das Regierungsprogramm einen bedeutenden Fortschritt dar. Damit werden Suchterkrankungen als eigenständiges Problem der öffentlichen Gesundheit anerkannt, das ein kohärentes, koordiniertes und nachhaltiges Handeln erfordert – eine Sichtweise, die wir bereits seit vielen Jahren vertreten. Die Anerkennung hat für Sucht Wallis daher eine besondere Tragweite: Sie eröffnet neue Perspektiven und erinnert daran, dass es in der Politik um Lebensgeschichten und Verletzlichkeit, aber auch um Ressourcen und Widerstandsfähigkeit geht, die wir beharrlich nutzen sollten.
An dieser Stelle möchte ich unseren geschätzten Mitarbeitenden von Herzen danken: Ihr Engagement, ihre Kompetenz und ihre Fähigkeit, suchtbetroffenen Menschen wohlwollend zuzuhören und sie vorurteilsfrei zu begleiten, sind die Lebensader von Sucht Wallis. In einem herausfordernden, durchaus belastenden Bereich wie der Suchthilfe bewirkt ihre Arbeit einen echten Unterschied. Auch den Mitgliedern des Stiftungsrats gilt mein grösster Dank: Ihr Engagement, ihre Zielstrebigkeit und die gemeinsame Reflexion helfen uns, alle Herausforderungen zu meistern.
Gemeinsam machen wir Sucht Wallis zu einer soliden, aber ebenso menschlichen Stiftung, die sich der Realität stellt und die Bedürfnisse suchtbetroffener Menschen in den Mittelpunkt rückt. Über Hilfsangebote und Einrichtungen hinaus geht es letztlich darum, Menschen auf ihrem Weg zu begleiten – fordernd, aber vor allem mit einer respekt- und vertrauensvollen Haltung.

Géraldine Gianadda
Präsidentin

